Farzia Fallah, geboren in Teheran/Iran, wohnt zurzeit in Köln und arbeitet international mit verschiedenen Musikern und Ensembles zusammen.
Nach einem Ingenieurstudium an der Sharif University of Technology in Teheran widmete sie sich der Musik. Ihr Weg dahin prägten Farimah Ghavamsadri, ihre Klavierlehrerin, und Alireza Mashayekhi, der sie zum Komponieren ermutigte. Younghi Pagh-Paan war die nächste Wegweiserin für sie, als sie zum Studium von Teheran nach Bremen übersiedelte. Nach ihrer Emeritierung setzte Farzia Fallah ihr Kompositionsstudium ebenda bei Jörg Birkenkötter und anschließend bei Johannes Schöllhorn in Köln und Freiburg fort und bekam ebenfalls wichtige musikalische Impulse von ihnen.
Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen die Klang- und Zeitgestaltung. Sie setzt sich mit jedem einzelnen Instrument und seinen Klangmöglichkeiten auseinander, arbeitet gerne mit Musiker:innen zusammen und wertschätzt den Austausch mit ihnen.
Farzia Fallah hatte Uraufführungen mit renommierten Ensembles wie Ensemble Recherche, Ensemble Riot (London), oenm Ensemble (Salzburg), Ensemble Musikfabrik, Ensemble Aventure, Ensemble Garage, Ensemble S201, oh-Ton Ensemble, Zaafran Ensemble sowie Hypercube Quartet (New York), Sonar Quartett, Trio Catch, Zöllner-Roche Duo und Gitarrenduo Dewes-Klich.
Ihre Orchesterstücke wurden u.a. vom WDR Sinfonieorchester, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Tonhalle-Orchester Zürich gespielt.
Aufführungen hatte sie u.a. bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik, beim Acht Brücken Festival Köln, Aldeburgh Festival (England), Archipel Festival (Schweiz), Transart Festival Bozen (Italien), bei Ultraschall Berlin, KLANG Copenhagen (Dänemark), Klangspuren Schwaz (Österreich), Sonic Matter (Schweiz), Warsaw Autumn (Polen), TIME:SPANS (New York) sowie beim Forum Neuer Musik Deutschlandfunk in Köln und NOW! Festival in Essen.
Ihr künstlerischer Weg wurde durch verschiedene Preise gefördert. 2020 bekam sie den Oldenburger Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik, 2023 den Heidelberger Künstlerinnenpreis sowie den Deutschen Musikautor*innenpreis der GEMA in der Kategorie Nachwuchs.
Es ist ihr besonders wichtig, andere Orte und andere Menschen und Blickwinkel zu erleben. Die Erfahrungen prägen sie und ihre Musik hinterher. So war sie als Stipendiatin im Künstlerhof Schreyahn (2018), Künstlerhaus Lauenburg (2019), Künstlerdorf Schöppingen (2020) und in Centro Tedesco di Studi Veneziani in Venedig (2021). Ebenso war sie Stipendiatin von Archiv Frau und Musik in Frankfurt. 2025 lebte sie sechs Monate in Paris (Cité Internationale des Arts). Diese Zeit war ihr von besonderer Bedeutung.
Fallah engagiert sich in der freien Szene und hat von 2022 bis 2025 als Mitglied des Kuratoriums vom Musikfonds e.V. mitgewirkt. Sie pflegt auch den Kontakt zur zeitgenössischen Musikszene im Iran, wo sie nach Möglichkeiten die junge Generation unterstützt.
2024 ist eine Porträt-CD von ihr bei WERGO in der Reihe Edition Zeitgenössische Musik erschienen.
2025 wurde ihr Stück I did not paint the war. I lived the war. – une Aubade – vom Ensemble Musikfabrik unter der Leitung von Enno Poppe im Muziekgebouw Amsterdam uraufgeführt. Weitere Aufführungen gab es bei Warsaw Autumn (Polen) und TIME:SPANS (New York).
“Die Musik hat für mich zwei Aspekte: einerseits den der Forschung, wenn ich Instrumente verstehen möchte und mich in die Klänge vertiefe, um sie dann in Zusammenhang miteinander zu bringen, und andererseits den des Ausdrucks im Sinn der Reflexion eines Lebenden, eines Erlebenden. Reflexionen von allem, was zum Leben dazugehört: Freude, Lachen, Erleichterung, aber auch Tod und existentielle Angst.”
